ZWETSCHGENKUCHEN
Und ein paar Gedanken über Erfolg

„Es ist unsinnig, Deinen Erfolg an Geld oder Ansehen festzumachen. Erfolg kannst Du nur daran messen, ob Du diese zwei Fragen mit Ja beantworten kannst: Hab ich das getan, was ich (aus einem inneren Gefühl heraus) tun musste? Hab ich alles gegeben, was ich konnte?

(Cheryl Strayed, Autorin)

 

Was ist für Dich Erfolg? Rennst Du ihm hinterher? Machst Du bestimmte Dinge, um ihn zu erreichen? Oder hast Du ihm längst abgeschworen, weil er Dich unter Druck setzt? Ist er Dir wichtig/unwichtig? Was bedeutet er Dir? Was verbindest Du damit?

 

Für mich ist Erfolg, wenn ich es schaffe, meinem Glück und meinen Leidenschaften zu folgen und mich nicht davon abbringen zu lassen. Diese Art von Erfolg ist manchmal ein einsamer Weg. Man muss sich damit abfinden, das Unsichtbare zu lieben, inneren Ideen und Vorstellungen zu folgen und das zu tun, was man gerne tut, egal, was andere davon halten. Jemand hat mal gesagt, dass zwischen einem Idioten und einem Genie manchmal nur ein einziger Tag liegt. Am einen Tag denken alle noch, dass Du verrückt bist, am nächsten hast Du Deine Idee umgesetzt und wirst gefeiert. Das ist der Grund, warum wir trainieren müssen, unabhängig zu werden von der Meinung anderer. Niemand kann in Dich hinein schauen und die ganze Schönheit Deiner Vision erfassen, bis sie Wirklichkeit geworden ist. 

 

Ich stelle mir die Entwicklung einer Idee vor wie das Wachstum einer Pflanze. Am Anfang säst Du aus – Deine Idee ist noch ganz jung und frisch und man kann noch nichts davon sehen. Das ist ein kritischer Augenblick, in dem häufig etwas schief geht. Du bist enthusiastisch und erzählst allen möglichen Leuten von Deiner Idee. Manche finden sie toll, andere finden sie unrealistisch und trampeln vielleicht sogar darauf herum. So eine junge Pflanze kann man leicht kaputt machen. Deshalb ist es einfacher, sie erst einmal im Stillen wachsen zu lassen, bis sie genug Energie hat, um kleinere und größere Angriffe zu überstehen. 

 

Wenn ich mein Leben anschaue, dann sind die besten Dinge immer dann passiert, wenn ich darauf gepfiffen habe, was andere denken und meinem inneren Gefühl gefolgt bin. Hatte ich Angst? Auf jeden Fall. Schlaflose Nächte? Oh ja. Geldsorgen? Klar. Zweifel? Si! Aber letztlich würde mein Leben heute komplett anders aussehen, wenn ich immer getan hätte, was der naheliegende nächste Schritt gewesen wäre. Niemals hätte ich meine Festanstellung in einer der angesehensten Design-Agenturen gekündigt, um mich ohne großen Plan selbständig zu machen. Niemals wäre ich kurz nachdem es mit der Selbständigkeit ganz gut lief, für zwei Jahre in die USA gegangen, um eine Yogalehrerausbildung zu machen. Niemals hätte ich ohne Buchvertrag angefangen, Kochbücher zu schreiben. Alles in allem wäre das meiste von dem, was so richtig Spaß gemacht hat, nie passiert. 

 

Übrigens bin ich nicht der Meinung, dass wir alle mit einem bestimmten Auftrag oder einer Berufung auf die Welt kommen, die wir suchen müssen. Es gibt eine ganze Industrie spiritueller Seminare und Bücher, die uns helfen sollen, herauszufinden, was unsere Aufgabe ist. Aber ich glaube, es ist viel einfacher. Wir sind da, um glücklich zu sein und zu wachsen. Wir sind da, um andere zu inspirieren, das gleiche zu tun. Wir sind da, um unsere Lebensflamme aufleuchten zu lassen, so dass es ein bisschen heller um uns wird. Es ist nicht kompliziert. Und keiner weiß besser als Du selbst, was Dir Freude macht und Dich zum Strahlen bringt. 

 

Mir hat es zum Beispiel schon immer unglaublich viel Freude gemacht, zu gestalten. Sei es die Malerei, Design oder Kochen und Backen. Ich liebe es einfach, etwas neues zu erschaffen und kann mich noch heute freuen wie ein Kind, wenn mir ein Kuchen besonders gut gelungen ist. Unser Essen ist nicht banal, sondern es ist die Verbindung der äußeren Welt mit unserer Inneren. Mit dem Essen nehmen wir die Information unserer Umgebung auf. Deshalb ist es auch so schön, saisonal zu essen. Zur Zeit sind die Zwetschgen und Pflaumen reif und sie wandern direkt vom Baum in einen Kuchen, der so perfekt zu einem gemütlichen Sonntag Nachmittag passt. Es ist ein klassischer Kuchen. So ähnlich wie ihn unsere Großmütter schon gebacken haben. Es ist ein Kuchen, der die ganze Familie um einen Tisch versammelt und eigentlich jedem schmeckt. Und so ein guter Kuchen und das glückliche Gefühl, das sich beim Backen und Essen einstellt – also wenn das kein Erfolg ist, dann weiß ich auch nicht!

 

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Zutaten für eine 26-cm-Springform:

  • 200 g Dinkelmehl, Type 1050
  • 60 g gemahlene Mandeln
  • 2 TL Weinstein-Backpulver
  • 2 EL frisch gehackter Rosmarin
  • 1 TL Salz
  • Abgeriebene Schale  von 1 Bio-Zitrone
  • 120 ml Ahornsirup, Grad A
  • 80 ml Olivenöl (plus etwas mehr für die Form)
  • 4 EL Apfelmark, ungesüßt
  • 1 TL Zitronenöl
  • 600 g Zwetschgen
  • 2 EL Ahornsirup, Grad A

 

Den Backofen auf 180 °C vorheizen.

 

In einer großen Rührschüssel Mehl, gemahlene Mandeln, Weinstein-Backpulver, Rosmarin, Salz und Zitronenzeste vermischen. In einer weiteren Schüssel Ahornsirup, Olivenöl, Apfelmus und Zitronenöl miteinander vermengen. Unter die Mehlmischung geben und alles glatt verrühren.

 

Eine Springform mit Olivenöl ausfetten und den Teig hineinfüllen. Die Zwetschgen waschen, vertikal einschneiden, entkernen und oben rechts und links jeweils einmal einschneiden (siehe Foto oben). Kreisförmig auf dem Teig verteilen, dabei außen anfangen. Jede Reihe Zwetschgen sollte die vorige leicht überlappen. Die 2 Esslöffel Ahornsirup in ein Schälchen geben und die Zwetschgen damit einpinseln. Den Kuchen ca. 50 Minuten backen. Zwischendurch überprüfen, ob seine Oberfläche schon ausreichend gebräunt ist, und die Form gegebenenfalls für die restliche Backzeit mit Alufolie oder Backpapier abdecken.

 

Zeitaufwand: 
30 Minuten Zubereitung
50 Minuten Backzeit

 

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11. September 2016

16 Kommentare zu “ZWETSCHGENKUCHEN

  1. Mama sagt:

    Das hast Du schön gesagt Stefanie ! Es ist wunderbar die eigene „Saat“ aufgehen zu sehen und Gedanken in Taten und Worten gefasst zu lesen und zu sehen !

    Besser kann man es gar nicht in Worte fassen – schön wärs wenn auch der Zwetschgenkuchen auszudrucken wäre 😉

    Allen guten Appetit !

  2. Christina sagt:

    Liebe Stefanie,
    Danke für den Gedankenanstoss, dass unsere „Aufgabe“ das glücklich SEIN ist. Deinen Artikel hat mir somit der Himmel geschickt. 😉 der Bilder sind wieder wundervoll und den Kuchen werde ich diese Woche ausprobieren.
    Von Herzen alles Liebe
    Christina

  3. Jurate Vaikutyte sagt:

    Dear Stephanie, I would wish I would be so fluent in German as you are. I always enjoy the final photos of your prepared meals. It would be kind of you, if you can, to give the recipe in English as well.

    Thank you.

  4. Daniela Aschmann sagt:

    Meine Liebe,
    mir geht es wie Christina oben. Deine geteilten Gedanken (Danke!!!!) kamen an diesem Montag genau richtig. Tut so gut!
    Gestern war bei uns auch Zwetschgenkuchen-Sonntag-Nachmittag. Lass uns bald mal wieder quatschen.
    Herzliche Grüße
    Daniela

  5. britta j sagt:

    **Wir sind da, um glücklich zu sein und zu wachsen.**
    Ja! Das ist genau so! Denn wenn man glücklich ist, hat man keine oder wenig Angst. Dann hasst man nicht. Und wenn man nicht hasst, tut man niemandem weh. Das gilt im (vermeintlich) Kleinen (bei sich allein) bis hin zu (vermeintlich) Großem (Familie, Gesellschaft, Politik).

    Schön, es hier zu lesen.

    Ich werde zwar den Datschi noch nicht machen (lese ich richtig? vegan?), aber bin sehr froh, auf die Seite gestoßen zu sein!
    MERCI!

    • Stefanie Reeb sagt:

      Liebe Britta,

      danke, für Deinen Kommentar! Du sagst es!

      Und: keine Angst vor vegan ;–) Der Kuchen schmeckt wirklich gut.

      Einen lieben Gruß!
      Stefanie

  6. Selma sagt:

    Liebe Stefanie Reeb,

    was für ein schöner Gedankenanstoß! Ich muss sagen, ich habe sehr sehr Ähnliche Interessen wie du und es ist super Interessant zu lesen, was du damit angefangen hast! Ich bin gerade mit der Schule fertig und muss jetzt auch meiner eigenen Nase folgen. Es kann sehr schwierig sein, zu wissen, wohin die Reise führt, und da ist es wie du gesagt hast, ganz wichtig, auf die innere Stimme zu hören, zu vertrauen und Mut zu haben und an seine Vision zu glauben, wie vage sie auch ist!
    Meine Mutter zu Hause (lese deinen Blog in Südafrika) hat den Pflaumenkuchen nachgebacken und der Familie serviert, musste mir aber ein Stück einfrieren 🙂 Freue mich schon drauf den zu verspeisen, denn wenn man auf Achse ist ist es sehr schwer Süßes und Gesundes zu finden! Liebe geht ja durch den Magen, deswegen hat sie den extra in Herzform gebacken. Ist das nicht süß 🙂

    Weiter so!
    Viele Grüße Selma

    • Stefanie Reeb sagt:

      Liebe Selma,

      vielen Dank für Deine Nachricht! Ja, aus meiner heutigen Perspektive würde ich sagen: keine Angst davor, dass Du jetzt noch nicht weißt, wo der Weg Dich hin führt. Solange Du in diesem Moment den Weg wählst, der sich gut für Dich anfühlt, werden sich immer wieder neue Abzweigungen auftun, die Du jetzt noch gar nicht überblicken kannst. So war es bei mir. Als ich mit dem Designstudium begann, wusste ich noch nicht, dass ich später mal Kochbücher schreiben würde, aber jeder Schritt, den ich gegangen bin, hat mich ein Stück weiter in diese Richtung geführt. Und wenn man Jahre später zurück schaut, macht alles Sinn. Auch die Rückschläge oder die Kurskorrekturen.

      Genieße Deine Zeit in Südafrika! Ich sende Dir alles Liebe
      Stefanie

  7. Marion Meyenburg sagt:

    Wundervoll, voller Wunder

  8. Selma sagt:

    Liebe Stefanie,

    vor einiger Zeit hatte ich hier schonmal gepostet. Jetzt lese ich den Artikel ein zweites Mal und jetzt hat er noch mal eine ganz anderen Sinn für mich: den eigenen Weg zu gehen unabhängig von äußeren Einflüssen oder Meinungen, Entscheidungen treffen und Intuition sind bei mir im Moment auf neue Weise wieder zu ganz zentralen Aspekten geworden, aber auch sonst hat sich einiges verändert: es ist lustig, dass der Kuchen ein Kuchen sein sollte, der jedem schmeckt und die Familie versammeln soll. Der Kuchen hat bei uns ein reinigendes Gewitter innerhalb der Familie ausgelöst! Schon länger existiert zwischen einem Teil der Familie nur ein Schein-Frieden, und ein provokantes Genörgel an Beschaffenheit und Geschmack besagten Pflaumenkuchens hat schließlich einen Domino-Effekt gehabt und einen ganz alten verkorksten Konflikt and Tageslicht gebracht. Natürlich kann so etwas banales wie ein Kuchen in einer tatsächlich intakten Familie nicht solche Folgen haben, weswegen ich deinen Kuchen auch von jeder Schuld freispreche! 🙂 es war nur eine Frage der Zeit und es fehlte nur der entsprechende Anlass. Trotzdem ist also der Kuchen bei uns Symbol für diesen Wandel geworden, den ich nicht ohne Grund als „reinigendes Gewitter“ bezeichne. Persönlich ist mir die neue Situation sogar lieber, weil sie der Wahrheit entspricht. Im nächsten Herbst werde ich wieder mit Freude das geliebte Steinobst in diesem Kuchen verwerten, aber mit einem kleinen Schmunzeln.

    Ich hoffe der Kommentar geht nicht flöten, ich würde mich sehr freuen, wenn er dich erreichen würde.

    Unbekannterweise ganz ganz Liebe Grüße und Wünsche.

    Deine Selma

    • Stefanie Reeb sagt:

      Liebe Selma,

      wie schön, dass Du mir wieder schreibst! Ja, manchmal werden die unwahrscheinlichsten Dinge (oder Kuchen) zum Anlass, den Emotionen Luft zu machen. Das habe ich auch schon erlebt. Und ich kann verstehen, dass Du das als reinigend empfindest, ich finde es auch immer besser, wenn die Dinge einfach ans Licht kommen und man offen damit umgehen kann.

      Bist Du denn wieder aus Südafrika zurück? (Ich kann mich noch sehr gut an Deinen ersten Kommentar erinnern).

      Einen ganz lieben Gruß an Dich!
      Deine Stefanie

  9. Selma sagt:

    Liebe Stefanie,

    wie schön, dass du direkt geschrieben hast! Ja richtig, was ein Kuchen so alles bewirken kann. Genau, meine tolle Zeit in Südafrika ist vorbei, seid Oktober bin ich wieder in Düsseldorf. Aber nicht mehr allzu lange, habe schon wieder Reisefieber 🙂

    Ganz liebe Grüße,
    Selma

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