Tamari-Pilze mit Estragonsauce
Kochen wie ein Hippie

Kürzlich waren Thomas und ich für ein langes Wochenende auf Ibiza. Ich kannte die Insel noch nicht und hatte vorab auch keine Zeit, Restaurants und Sehenswertes zu recherchieren, also machten wir uns ganz unbefangen und ein bisschen ahnungslos auf die Reise. Wir kamen nachmittags bei strömendem Regen und Sturmböen an und konnten erst mal nicht viel mehr tun, als vom Zimmer aufs windgepeitschte Meer zu schauen und zwischendurch mit Regenschirm bewaffnet die Strandpromenade entlangzulaufen. Am nächsten Tag wachten wir bei strahlendem Sonnenschein auf und fuhren in das kleine Dörfchen Sant Joan, in dem jeden Sonntag ein Hippie-Markt stattfindet.

 

Im Norden Ibizas haben sich seit den 70er und 80er Jahren viele Hippies und Aussteiger niedergelassen, deren Anwesenheit immer noch stark spürbar ist. Da ich in den 70ern und damit in der Hoch-Zeit der Hippiekultur geboren wurde, erinnere ich mich noch sehr genau daran, als ich das erste Mal das Wort „Hippie“ hörte. Es kam aus dem Mund meiner Großmutter und klang so, als würde es sich dabei um etwas schmutziges und kriminelles handeln. Dabei waren beide Kinder meiner Großmutter, nämlich mein Vater und meine Tante, ebenfalls Hippies im Herzen und scharten immer eine größere Gruppe an Musikern und Lebenskünstlern um sich herum, lebten teilweise in Spanien und scherten sich nicht um das, was allgemein von ihnen erwartet wurde. Sich unabhängig von gesellschaftlichem Druck zu machen und abseits von Konventionen zu leben, macht für mich übrigens auch den Zauber der Hippiekultur aus. In einer Welt, in der sich alle an das vorgegebene Tempo halten, immer funktionieren wollen, ihre Sätze mit „man“ anstatt mit „ich“ beginnen, und in der Burn Out eine der häufigen Erkrankungen ist, ist die hippieske f*ck it-Haltung einfach wohltuend. Dabei gefällt mir die geistige Hippiehaltung tatsächlich noch um einiges besser als die manifestierte mit ihren Ketten, Räucherstäbchen und Gebetsfahnen. Denn sie ist zeitlich unabhängig, muss nicht nach Patchouli riechen und erfordert auch keinen Klangteppich aus indischen Saiteninstrumenten. Sie ist eher ein Lebensgefühl, das übrigens auch beim Kochen relevant ist. Wenn Du den Hippie in Dir mit in die Küche und an Deinen Esstisch bringst, dann …

 

… verwendest Du Produkte, die saisonal und im Einklang mit der Natur sind.

… trägst Du die Blumen nicht nur im Haar sondern auch auf Deinem Salat. 

… pflanzt Du einen Garten, selbst wenn er in einem einzigen Kräutertopf Platz finden muss. 

… machst Du Kochen zu einem Erlebnis für alle Sinne.

… wagst Du was neues und überraschst Dich selbst und andere mit einem neuen Geschmack oder einem Essen im Garten, im Park, am See oder auf einer Waldlichtung.

… lädtst Du Deine Freunde zu einem einfachen, aber großzügigen Essen ein, mit vielen großen Töpfen, aus denen sich alle nehmen können, bis sie satt sind. 

… lässt Du den Perfektionismus sausen und sagst einfach „Peace, Schwester“, wenn etwas schief geht.

 

Unsere schönste Mahlzeit auf Ibiza war übrigens die im Garten des La Paloma im Inselinneren, einem Restaurant, in dem sich Einheimische, junge und alte Hippies, Individualisten und Touristen zwischen blühenden Orangenbäumen treffen und simple und gute Mahlzeiten zu sich nehmen. Als ich zum Nachtisch eine Zitronentarte mit Thymian aß und am Nachbartisch eine Frau betrachtete, die wie Frida Kahlo gekleidet war und mit ihrer Umgebung zu einem Gemälde verschmolz, dachte ich: dem Leben tut eine kräftige Prise Hippie einfach gut. 

 

Mein Rezept des Tages ist ebenfalls inspiriert von einer Mahlzeit, die wir auf Ibiza gegessen haben. In dem kleinen Café Passion Ibiza in der Marina von Ibiza Stadt gibt es eine riesige Auswahl an gesundem Frühstück und Brunch. Dort  habe ich erstmals die Kombination aus Pilzen und Estragon gegessen und war sofort verliebt. Estragon kennen die meisten von uns in Form einer Bearnaise-Sauce zusammen mit Fleisch. Da Pilze auch diesen fleischigen Umami-Geschmack haben, schmeckt der Estragon auch dazu ganz wunderbar. Isst Du die Pilze auf getoastetem Sauerteigbrot, ist das Gericht blitzschnell fertig und durch das Zusammenspiel der Aromen schmeckt es irgendwie anders, interessant und erzeugt eine angenehme Geschmackstiefe. Oder wie ein Hippie (im Herzen), den ich mal in LA kannte, sagte: it’s going deep man, it’s going deep. 

 

 

Tamari-Pilze mit Estragonsauce

 

Für 2 Personen:

 

Für die Estragonsauce:

  • 1/4 Avocado
  • 100 ml Wasser
  • 1 EL Apfelessig
  • 1 EL Olivenöl
  • 1/2 TL Salz
  • Abgezupfte Blätter von ca. 20 g Estragonzweigen

 

Für die Tamaripilze:

  • 1 EL Olivenöl
  • 1 Knoblauchzehe, geschält und gehackt
  • 500 g braune Champignons, gewaschen, getrocknet und je nach Größe in Viertel oder Achtel geschnitten
  • 2 EL Tamari Sauce (alternativ: Sojasauce)
  • 3 Frühlingszwiebeln, inkl. Grün in Ringe geschnitten
  • 2 EL Olivenöl

 

Für den Sauerteigtoast:

  • 4 Scheiben gutes Sauerteigbrot 

 

Alle Zutaten für die Estragonsauce in einem leistungsstarken Hexler oder Standmixer cremig pürieren.

 

Für die Tamaripilze Olivenöl in einer Pfanne erhitzen, Knoblauch kurz darin anbraten und die Champignons hinzufügen. Unter Rühren ca. 8–10 Minuten anbraten, bis die Pilze von allen Seiten gut gebräunt sind. Zum Schluß Tamari Sauce und Frühlingszwiebeln dazu geben, kurz anbraten, vom Herd nehmen und mit dem restlichen Olivenöl vermischen. 

 

4 Scheiben Sauerteigbrot toasten, je zwei Scheiben auf einen Teller geben, die heißen Tamaripilze auf die Brote häufen und mit Estragonsauce beträufelt servieren (es sollte nicht die ganze Sauce auf einmal verwendet werden, sonst wird das Brot weich). 

 

Zeitaufwand:
Ca. 20 Minuten

 

 

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27. April 2018

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9 Kommentare zu “Tamari-Pilze mit Estragonsauce
  1. Jasmin sagt:

    Danke danke danke… für deine wunderschön inspirierenden Texte und eure immer wieder traumhaften Fotos! Der Text hat mir ein großes Schmunzeln ins Gesicht gezaubert. Morgen schau ich, wo ich Pilze und Estragon auftreiben kann! In diesem Sinne
    Peace, Schwester 😉
    Sei herzlich gegrüßt von Jasmin

    • Stefanie Reeb sagt:

      Hallo liebe Jasmin!

      wie schön, dass Dir unser Beitrag Freude bereitet hat! Bin gespannt, wie Dir das Rezept gefallen wird.

      Sende Dir liebe Grüße und ein herzliches: peace Schwester ;–)
      Deine Stefanie

  2. Barbara sagt:

    Liebe Stefanie,
    dein heutiger Text hat mich gleichermaßen tief berührt und erfreut: ich habe viel Zeit meiner Kindheit und Jugend -hippie-biographisch begründet- auf Ibiza verbracht und bin immer noch gerne dort. So ein besonderes Fleckchen Erde. Und etwas mehr Hippie im Herzen tut uns allen gut!
    Die Tamaripilze mit Estragon (eines meiner Lieblingskräuter, das mangels Rezepten viel zu selten zum Einsatz kommt) kommen ganz bald auf den Tisch, tausend Dank!
    Herzliche Grüße von Barbara

    • Stefanie Reeb sagt:

      Liebe Barbara,

      ach wie schön! Warst Du dann auch viel im Norden von Ibiza? Der hatte für mich wirklich was magisches. Ich war ja nur recht kurz dort, freue mich aber schon auf meinen nächsten Besuch.
      Ja, mir geht es mit Estragon genauso wie Dir: ich liebe seinen ganz besonderen Geschmack, aber er kommt dann letztlich doch nicht so häufig zum Einsatz. Ich hoffe, er schmeckt Dir zu den Tamaripilzen genauso gut wie mir.

      Sende Dir viele liebe Grüße und hab einen schönen Sonntag!
      Deine Stefanie

      • Barbara sagt:

        Liebe Stefanie,
        ja, genau, der magische Norden Ibizas, das hast du gut gesagt. Da gibts auch immer noch ruhige Ecken und wirklich Zauberhaftes zu entdecken. Puh, da bekomme ich gleich Ibiza Sehnsucht… Wirklich eine besondere Insel.
        Und stell dir vor, was ich gerade entdeckt habe: unser Estragon auf dem Balkon kommt wieder, hurraaaaaaa!
        Da kann ich gleich loskochen (ich denke auch an dein Französisches Baguette dabei, ist zwar kein Sauerteigbrot, aber ich stelle es mir auch passend vor dazu.
        Ganz herzliche Grüße aus Berlin
        deine Barbara

        • Barbara sagt:

          Liebe Stefanie,
          nun muss ich dir aber noch kurz sagen, wie unglaublich lecker diese Tamari Pilze sind. Und die Estragon Soße erstmal. Und die Kombi. Unglaublich fein und besonders. Eigentlich wollte ich ja dein französisches Baguette dazu backen, aber dann haben wir die noch übrigen Scheiben deines Oregano Brotes im Toaster aufgebacken: tolle Ergänzung.
          Ah, in Ibiza liebe ich übrigens die kleine Bar in Santa Ines und Santa Gertrudis. Und natürlich die unglaublich klaren Buchten, und so vieles mehr.
          Sei herzlichst gegrüßt von der Barbara

          • Barbara sagt:

            Das muss ich noch loswerden: gerade gabs den ersten (zu früh, ich weiß…) Spargel der Saison nach deinem Wellcuisine Kochbuch, mit Dinkelcrepes und Bohnen Hollandaise, so ein feines Feiertagsessen, einfach himmlisch….

  3. Kathrin sagt:

    Liebe Stefanie,
    vor einer halben Stunde habe ich Dein Superbrot aus dem Ofen geholt und mein Freund und ich sind total begeistert davon. Außerdem steht im Kühlschrank die Zitronen-Tarte, die wir morgen auf eine Konfirmation mitnehmen. Die hat beim letzten Geburtstag wahre Begeisterungsstürme ausgelöst :-).

    Vielen Dank für Deine tollen Rezepte und Deine Liebe zu gutem und gesundem Essen. Es macht richtig Spaß in Deinen Büchern zu blättern, zu lesen und nachzukochen und zu backen! Alle Rezepte funktionieren beim ersten Mal und sind dazu noch super lecker. Ich bin sehr froh, Dich und Deine Wellcuisine entdeckt zu haben.

    Alles Liebe und vielen Dank,
    Kathrin

    • Stefanie Reeb sagt:

      Liebe Kathrin,

      oh, da freue ich mich aber! So ein schönes Feedback. Danke Dir! Superbrot und Zitronentarte sind auch echte Lieblinge bei uns zuhause und kommen relativ häufig auf den Tisch.

      Dann wünsche ich Euch heute viel Spaß auf der Konfirmation und sende ganz liebe Grüße (mein Patenkind hat heute übrigens auch Konfirmation)
      Stefanie

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