Lieblingsdressing
Eine geniale 5-Minuten-Salatsauce

Wenn es ums Essen ging war ich schon als Kind recht abenteuerlustig, was so viel heißt wie: ich aß mehr oder weniger alles. Das einzige, was ich viele Jahre lang nicht mochte, war Salat. Für meinen Gaumen schmeckte er wie Gras und ich fand ihn einfach unglaublich langweilig. Meine Großmutter war die Matrone unseres Mehrgenerationenhaushalts und kochte jeden Mittag für die ganze Familie. Anfang der 1920er Jahre geboren, hatte sie nicht nur den Schrecken des Krieges hautnah miterlebt, sondern auch die Hungerjahre währenddessen und danach. Dies hatte zur Folge, dass sie sich vor Gewittern fürchtete, weil sie sie an die Bombenangriffe erinnerten, und dass sie immer Angst hatte, dass ich verhungern könnte. Tatsächlich war ich ein ganz normales Kind und weit davon entfernt, Hungers zu sterben (bestimmt bewahrten mich auch die vielen Süßigkeiten, die sie mir heimlich zusteckte davor, bis auf Haut und Knochen abzumagern). Dass ich keinen Salat aß, wurmte sie allerdings ungemein. Denn es war ihr wichtig, meinen Körper mit genauso vielen Vitaminen zu versorgen wie die Körper der restlichen Familie. 

 

 

Sonntags nahm sich meine Großmutter immer einen Tag frei vom Kochen, und wir gingen aus. Da wir in einem kleinen Dorf lebten, war die Auswahl an Restaurants nicht besonders groß und so gingen wir immer zum gleichen Italiener „Casa Rustica“. Der Besitzer kam aus Sizilien und war stark und schwarz behaart am ganzen Körper. Ich mochte ihn sehr. An der Bar hatte das Restaurant diese mittlerweile in Vergessenheit geratenen Maschinen, aus denen man mithilfe weniger Pfennige eine Handvoll gerösteter Pistazien herausholen konnte, die ein Kind schon vor der Hauptmahlzeit so satt machten, dass es direkt zum Nachtisch übergehen konnte. Ich ließ mein Hauptgericht allerdings nie aus, denn es gab eine herrliche Pasta mit Pilzen und eines Tages dazu – einen Salat. Es war der erste und einzige Salat, der mir schmeckte, denn er war mit einer weißen, cremigen und einfach leckeren Salatsauce angemacht. Selbst der Grasgeschmack der grünen Blätter war für mich damit kein Thema mehr. Ich aß ihn unter den staunenden Blicken der Familie bis aufs letzte Blatt auf.

 

 

Als wir nach Hause kamen, hatte meine Großmutter es sehr eilig, in die Küche zu kommen. Wir hörten es rumpeln und vielleicht vibrierte auch die Luft ein wenig, so wie an diesen Tagen, an denen etwas Bemerkenswertes passiert. Am nächsten Mittag setzte mir meine Großmutter mit kaum kaschiertem Stolz eine Salatschüssel vor. Darin waren Salatblätter und eine weiße Sauce, die verdammt ähnlich aussah wie die im „Casa Rustica“. Etwas zögerlich griff ich zur Gabel und begann zu essen. Es war köstlich. Etwas schneller und mit wachsender Begeisterung aß ich Blatt für Blatt. Meine Großmutter lächelte so zart wie die Mona Lisa, setzte sich zu uns an den Tisch, und strahlte die angenehme Gewissheit aus, in Zukunft ein Problem weniger zu haben. 

 

 

Heute lebt meine Großmutter nicht mehr, und ich weiß nicht genau, wie sie ihr Dressing zubereitet hat. Aber ich weiß ganz genau, wie gut es geschmeckt hat. Und nach dieser Erinnerung rühre ich heute mein Lieblingsdressing an. Es kommt ein wenig erwachsener daher mit ein paar gehackten Kapern, aber das Gefühl beim Essen ist immer noch das selbe. Es schmeckt so, wie ein einfaches, gutes Essen, das mit Liebe gemacht wurde, schmecken sollte.

 

Und nun ein paar Worte zum Rezept: als Basis brauchst Du einen Naturjoghurt. Ich verwende am liebsten einen sehr dicken Schaf- oder Ziegenjoghurt (griechischer Art ist gut). Aber natürlich geht ein veganer, dickflüssiger Naturjoghurt ebenso gut. Ein paar gehackte Kapern geben dem Dressing eine angenehme Würze, können aber auch weggelassen werden. Das Rezept ist eine gute Ausgangsbasis für allerlei Variationen nach Lust und Laune. Zum Beispiel kann der Apfelessig durch Zitronensaft ausgetauscht und dazu ein wenig Zitronenabrieb hinzugefügt werden. Eine geschälte und durch eine Knoblauchpresse gedrückte Knoblauchzehe gibt ein nettes Aroma, oder etwas gehackter Schnittlauch statt der Kapern verleiht dem Dressing einen neuen Dreh.

 

Nun möchte ich von Dir wissen: hast Du eine schöne Kindheitserinnerung an ein bestimmtes Essen? Dann lass es mich wissen und hinterlasse einen Kommentar unter diesem Beitrag. Ich freue mich, von Dir zu lesen!

 

 

 

Lieblingsdressing

 

Für 2 Personen:

  • 2 EL dicker Naturjoghurt (griechischer Art), z.B. Schaf, Ziege oder pflanzlich
  • 1/3 TL Salz
  • 1 TL Dijon-Senf
  • 1 EL Apfelessig
  • 1 TL Ahornsirup, Grad A oder C
  • 2 EL Olivenöl
  • 1 TL Kapern, gehackt

 

In einer Schüssel Joghurt, Salz, Senf, Apfelessig und Ahornsirup glatt vermischen. Dann das Olivenöl unter Rühren hinzufügen und unterrühren. Zum Schluss die gehackten Kapern untermischen. Mit grünem Blattsalat vermischt servieren. 

 

Wellcuisine-Tipp: Du kannst auch gleich eine größere Menge Dressing zubereiten, denn es hält sich gut verschlossen im Kühlschrank mehrere Tage lang. 

 

Zeitaufwand: 
ca. 5 Minuten

 

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16. August 2019

11 Kommentare zu “Lieblingsdressing

  1. Manuela sagt:

    Liebe Stefanie,

    da gibt es tatsächlich Erinnerungen, nämlich an unfassbar leckere niederbayerische Mehlspeisen unserer Mutter wie z.B. Reinzelten mit Zwetschgen oder Äpfeln, Rupfhauben mit Zwetschgen, Quarkauflauf, Milchauflauf und Grießschnitten oder einfach Pfannkuchen mit Marmelade und nicht zu vergessen ihre genialen Semmelknödel. Vor allem in die Reinzelten und Rupfhauben konnte man sich hineinknien. Was Reinzelten und Rupfhauben genau sind, erkläre ich gerne im September.

    Dein Wassermeloneneis ist übrigens genial – ich habe zwischenzeitlich zwei Varianten ausprobiert. Einmal habe ich Minze verwendet, einmal nicht (weil ich diese beim Einkauf vergessen hatte….). Auch die Version ohne Minze schmeckt tatsächlich sehr lecker.

    Viele liebe Grüße und ein schönes Wochenende,

    Manuela

    • Stefanie Reeb sagt:

      Liebe Manuela,

      Deine kulinarischen Erinnerungsstücke klingen zum Anbeißen! Pfannkuchen und Mehlspeisen erinnere ich auch sehr deutlich und positiv aus meiner Kindheit.

      Schön, dass Dir das Wassermeloneneis gut geschmeckt hat! Das freut mich sehr!

      Liebe Grüße
      Stefanie

  2. Andrea sagt:

    Liebe Stefanie, du hast deine Kindheitserinnerung mal wieder so wunderbar geschrieben, dass ich jede Szene und vor allem Omi lebensecht vor meinem inneren Auge habe. Danke dafür 😘
    An den plötzlichen Wandel der Salatsoße kann ich mich noch erinnern. Endlich weiß ich warum sie das geändert hat 😂
    Danke für das Rezept, mit dem ich auch meine Kindheitserinnerung wieder lebendig werden lassen kann. Alles Liebe, Andrea

    • Stefanie Reeb sagt:

      Liebe Andrea,

      so schön, danke für Deine Nachricht! Über die freue ich mich ganz besonders.

      Viele Grüße an Dich, liebe Cousine!
      Deine Stefanie

  3. Elena sagt:

    Meine Omi hat Bratheringe gemacht… immer draußen weil es furchtbar stinkt.
    Jedesmal wenn ich welche esse denke ich an die Kochstelle draußen und die nach Bratheringen riechende Straße.

  4. Barbara sagt:

    Liebe Stefanie,
    sofort ausprobiert, das Super-Dressing: ganz große Klasse, wirklich das Zeug zum Lieblingsdressing. Ahornsirup weggelassen, fehlte mir nicht. Aber der Kokosjoghurt hat ja auch an sich schin eine milde Süße. Absolut alltagstauglich und so fix zusammengerührt!
    Kindheitserinnerung: Ich liebte die Salatsoßen meine Oma – um später festzustellen, dass sie den in Süddeutschland beliebten Würzzusatz Fondor reinmixte, brrrr. Dafür hat sie aber die besten Dampfnudeln der Welt gemacht, hab ich mir oft zum Geburtstag gewünscht – da kam sie eigens in die große Stadt gereist, um für mich und meine Freundinnen in einer schweren Emaille-Kasserole Tonnen von Dampfnudeln mit selbstgemachter Vanillesauce zuzubereiten, schnief…. War das lecker…. Oder ihre Berge von handgeschabten Spätzle….
    Ganz herzlichen Dank für dieses köstliche Rezept, frisch verspeist und liebe Grüße von deiner Barbara

    • Barbara sagt:

      …die Geschichte von deiner Oma und ihrem Dressing ist sehr berührend!

    • Stefanie Reeb sagt:

      Liebe Barbara,

      das freut mich, dass Dir das Dressing gut geschmeckt hat!

      Oh ja, selbstgemachte Dampfnudeln und Spätzle – das sind wirklich solche Kindheitsgerichte, die so besonders sind, weil sie heute kaum jemand mehr selbst zubereitet.

      Viele liebe Grüße
      Stefanie

  5. Philipp sagt:

    Liebe Stefanie, das Dressing klingt hervorragend und beinhaltet lauter Dinge die ich liebe aber so noch nicht zusammen gemischt habe. War eh gerade auf der Suche nach abwechslungsreicheren Dressings. Und mein ehemaliger Lieblingsgrieche in München hieß Kapari – Kapern. Danke. Herzliche Grüße aus der Metzer Straße, Philipp

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