Asia-Salat
Und das Geheimnis perfekter Mahlzeiten

Neulich auf unserem Retreat unterhielten wir uns abends am Tisch über lustige Situationen, die wir in Restaurants erlebt haben. Meine persönlichen Highlights stammen alle aus den Jahren, in denen ich in Berlin gelebt habe, was sicherlich dem Umstand geschuldet ist, dass Berliner sich noch nie besonders um Konventionen geschert haben. In einer Situation beschwerte sich ein Gast am Nebentisch darüber, dass seine Suppe nur lauwarm sei. Daraufhin steckte die Kellnerin ihren Finger in die Suppe und meinte: „ich finde, sie ist ziemlich heiß“. Ein anderes Mal bestellte ich in einem französischen Restaurant einen Salat mit Flußkrebsen. Einer der Krebse verströmte einen verdächtig unangenehmen Geruch. Der Kellner, den ich darauf ansprach, beugte sich mit besorgtem Blick über den kleinen Krebs und französelte: „Vielleischt war er krank?“ Die dritte Situation, die mir in lebendiger Erinnerung blieb war der Koch, der sich in einem kleinen Restaurant von hinten an mich heranschlich und mich fast zu Tode erschreckte, als er mir plötzlich mit obszöner Stimme ins Ohr hauchte: „Und, wie war es?“ (wenn Du „es“ mit „ich“ vertauschst, dann weißt Du, nach was sich das angehört hat).

 

Über die letzte Geschichte habe ich noch länger nachgedacht, denn sie drückt etwas aus, von dem sich bestimmt keiner von uns wirklich freimachen kann: wir kochen und wollen dafür gelobt werden. Ja, wir gehen noch einen Schritt weiter und zeigen unser Essen auf Instagram oder auf Facebook und empfinden Genugtuung, wenn wir möglichst viele „Likes“ dafür erhalten. Und dabei spiegelt sich im Kochen und Essen nur etwas wieder, was sich in unserem ganzen Leben abspielt: wir tun etwas, um etwas dafür zu bekommen. Nur ist so eine Haltung ziemlich kleinlich und macht uns tatsächlich auch kleiner als wir sind, denn wir machen uns abhängig vom Urteil anderer, anstatt einfach Freude zu empfinden bei dem, was wir tun. Weißt Du, was heute ein fast schon revolutionärer Akt wäre? Großzügig sein. Das Kochen genießen, von Herzen geben und nichts dafür erwarten. In einer Gesellschaft, die von Lob und Kritik lebt, eine schockierende Haltung.

 

Dabei ist Großzügigkeit das wichtigste Element beim Kochen. Man spürt es in jedem Detail der Mahlzeit. Die Liebe, mit der der Koch seine Zutaten auswählt, die Hingabe, mit der er kocht, die Portionen, die ein Gefühl von „genug“ beim Essenden erzeugen. Nichts zurück halten und mit offenen Armen geben: so kocht man richtig. Und egal, was auf den Tisch kommt, ob es einfach oder aufwändig ist, es entsteht eine perfekte Mahlzeit. Man könnte Wasser mit dieser Haltung servieren und es wäre das köstlichste Getränk überhaupt.

 

Ich erinnere mich an ein Restaurant auf Kreta, in dem Thomas und ich vor Jahren gegessen haben. Es lag auf einem einsamen Hügel und die Gerichte wurden in traditionellen Tonöfen zubereitet. Ich weiß nicht mehr genau, was wir gegessen haben, ich weiß nur, dass es köstlich war. Das gesamte Erlebnis war wunderbar. Der Koch brachte nach und nach die verschiedensten Teller mit liebevoll angerichtetem Essen. Danach führte er uns zu seinem Maulbeerbaum, wo wir ein paar frische Beeren zum Nachtisch aßen. Danach bestand er darauf, dass wir uns in seinem privaten Haus ausruhen, bevor wir mit dem Auto zurück in unser Hotel fuhren. Ich werde diesen Tag und dieses Essen nie vergessen, denn es erzeugte ein Gefühl von – ja genau! – Großzügigkeit. 

 

Kennst Du das perfekte Paar für ein unvergessliches Essen? Großzügigkeit und die Fähigkeit, genießen zu können. Wenn der eine großzügig gibt und der andere es mit offenen Armen annimmt und genießt, dann entstehen legendäre Momente, die viel mehr sind als kochen und essen. Dann entsteht eine Art Liebestanz – und das wäre dann auch der Moment, in dem Menschen seufzen: das ist besser als Sex! Für diese Momente muss man einfach dankbar sein. Da kann kein „Like“ oder „Dislike“ mehr mithalten, denn das – ja das! – ist das wahre Leben. 

 

Wie kannst Du Großzügigkeit trainieren? Unter anderem mit Rezepten, die Hingabe erfordern. Schon klar, dass alle immer Rezepte haben wollen, die in 5 Minuten fertig sind. Manchmal lohnt es sich aber, ein bisschen mehr Zeit zu investieren und die Zubereitung mit Lust und Liebe zu zelebrieren. Wenn ich noch mal kurz den Sex bemühen darf: ein Quickie kann mal okay sein, aber eigentlich stehen wir doch alle mehr auf die ausschweifendere Version, oder nicht? Also: dieser Salat muss per Hand geschnippelt werden und das erfordert ein bisschen Zeit. Dabei entsteht aber etwas ganz köstliches, für das es sich lohnt, diese Zeit zu investieren. Karotten, Radieschen und Zuckerschoten werden in feine Stifte geschnitten, dann kommen noch ein paar Sojasprossen dazu, die glücklicherweise schon die richtige Form haben. Anschließend wird eine warme Sauce aus gesalzenen Erdnüssen, Limette und Chili zubereitet und darüber gegossen. Nun gilt es nur noch, den Salat mit Liebe zu servieren und mit Genuss zu essen – und alles ist gut.

 

 

 

Asia-Salat

 
Für 2 Personen als leichte Mahlzeit oder für 4 Personen als Vorspeise:
 
Für den Salat:
  • 3 mittelgroße Karotten, geschält (ca. 250 g)
  • 50 g Zuckerschoten
  • 150 g große Radieschen
  • 100 g Sojasprossen, gewaschen
  • 1,5 EL Apfelessig
  • 2 EL Korianderblätter
 
Für das Dressing:
  • 2 EL natives Kokosöl
  • 1 mittelgroße Zwiebel, geschält und fein gehackt
  • 2 Knoblauchzehen, geschält und fein gehackt
  • 1 EL fein geriebener Ingwer
  • 1 getrocknete Chili, zerkrümelt
  • 50 g geröstete und gesalzene Erdnüsse, fein gehackt
  • 2 EL Kokosblütenzucker
  • 80 ml frisch gepresster Limettensaft
  • 3 EL Tamarisauce (alternativ: Sojasauce)
  • 2 EL geröstetes Sesamöl
  • 2/3 TL Salz
 
 
Karotten, Zuckerschoten und Radieschen in feine Stifte schneiden. In eine Schüssel geben und mit kaltem Wasser bedecken (gegebenenfalls noch ein paar Eiswürfel hinzufügen), das macht den Salat schön knackig. 
 
 
Für das Dressing Kokosöl erhitzen und Zwiebel, Knoblauch, Ingwer und Chili anbraten. Erdnüsse und Kokosblütenzucker hinzufügen. Vom Herd nehmen und Limettensaft, Tamarisauce hinzufügen, Sesamöl und Salz unterrühren.
 
 
Die in Wasser eingelegten Salatzutaten in ein Sieb abgießen und mit Sojasprossen, Apfelessig und Koriander in einer Schüssel vermischen. Das Dressing untermischen und direkt servieren. 
 
 
Dazu passt zum Beispiel:
– gegrilltes Huhn
oder
– gegrillter Lachs
oder
– in Tamarisauce und Ahornsirup marinierter Räuchertofu, scharf angebraten
 
 
Zeitaufwand:
ca. 30 Minuten
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29. Juni 2018

10 Kommentare zu “Asia-Salat

  1. Andrea sagt:

    Ein wunderbarer Text. Danke dafür!

    LG, Andrea von
    https://andyisstclean.blogspot.de

    • Stefanie Reeb sagt:

      Liebe Andrea,

      vielen Dank für Deine liebe Rückmeldung! Freut mich, dass Dir mein Text gefällt.

      Einen lieben Gruß
      Stefanie

  2. Barbara sagt:

    Liebe Stefanie,
    was für ein erfrischendes Sommerrezept, das hier ganz bald auf den Tisch kommt. Ich freue mich schon richtig darauf. Deine Gedanken zu Essen und Großzügigkeit kann ich total unterschreiben. Das hast du treffgenau auf den Punkt gebracht. Gerade am Wochenende musste ich daran denken, als ich für eine größere Gruppe deine Linsen-Bolognese kochte und innerlich auf „likes“ hoffte. Dein Text kam also genau passend, er hat mich so geerdet und allen hat es super geschmeckt (sogar unterm Sonnenschirm im Garten), es lehnten sich sogar einige seufzend zurück und ich musste schmunzeln und war glücklich – das wahre Leben.
    Herzlichen Dank und sonnige Grüße, Barbara

  3. britta sagt:

    w-u-n-d-e-r-s-c-h-ö-n!

  4. Barbara sagt:

    Liebe. Stefanie,
    das ist mir schon arg peinlich – ist auch nicht ganz die richtige Stelle- aber ich schwöre, ich habe gerade alle Blogbeiträge 2018 durchstöbert, die Suchfunktion bemüht und habs wohl übersehen:
    gefühlt neulich hast du auf einen post geantwortet mit bei Kindern beliebten Rezepten. Da ich im August Kinder-Übernachtungsgäste habe (5&8 Jahre alt), möchte ich ein paar Rezept-Ideen sammeln. Weißt du noch, unter welchem Rezept du die best-of-kids gepostet hattest?
    Ein dickes Dankeschön, deine Barbara

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