FALAFELSALAT
Und die Kunst, eine Sache nach der anderen zu tun

Ich habe ein Bekenntnis zu machen: ich bin eine Frau, aber ich kann nicht mehrere Dinge gleichzeitig tun. Und wenn ich es doch tue, dann renne ich herum wie ein kopfloses Huhn und bin dabei auch noch enorm gestresst. Bei diesem (nicht besonders schönen) Bild muss ich an meinen Lehrer Yogi Bhajan denken, der zu Lebzeiten jährlich mehrwöchige Seminare nur für Frauen gegeben hat. Eines dieser Seminare begann er so: „Vergesst nicht, Ihr seid keine Hühner (auf Englisch „Chicks“), Ihr seid Adler.“ Ist der Gedanke an einen eleganten Adler, der immer den Überblick behält, nicht viel angenehmer als der eines aufgeregten Huhns, das wild durch die Gegend rennt? Warum finden wir es dann so erstrebenswert, immer alles parallel zu tun als gäbe es kein Morgen mehr?

 

Ich selbst bin das beste Beispiel: ich habe so viele unterschiedliche Interessen, denen ich am liebsten immer gleichzeitig nachgehen möchte. Ich will Bücher schreiben, Yoga unterrichten, interessante Jobs für Kunden machen, Workshops planen, Themen recherchieren, diesen Blog pflegen, Geschäftsreisen unternehmen, und ein gutes Liebes- und Privatleben haben. Manchmal erwische ich mich dann dabei, dass ich wieder mehr dem Huhn als dem Adler ähnele. Dann wird mein Schlaf unruhig, mir fallen Dinge aus der Hand und ich stolpere über Türschwellen. Alles Zeichen dafür, dass ich zu viele Teller in der Luft habe. Und das sind sogar nur die großen Themen. Im kleinen erwische ich mich oft dabei, dass ich mich morgens an den Computer setze und Emails schreibe, obwohl ich mit meinem Frühstück noch gar nicht fertig bin. Oder dass ich telefoniere und gleichzeitig im Internet stöbere. Das wäre ja auch gar nicht schlimm, wenn es nicht so wäre, dass die Dinge einfach weniger Freude machen, wenn man ihnen nur einen kleinen Teil seiner Aufmerksamkeit widmet. Ein Gespräch bleibt emotional oberflächlich, wenn wir nicht ganz bei der Sache sind, ein Essen wird fad, wenn es nebenbei und unbewusst verspeist wird. Also ist mein neues Mantra: eins nach dem anderen. Denn es ist ja nur eine Illusion, dass wir mehr schaffen, wenn wir alles gleichzeitig tun. In Wahrheit gehen die Dinge meist leichter und schneller von der Hand, wenn wir uns ihnen für einige Zeit ganz widmen und sie dann abhaken können. Aus dem Zen-Buddhismus gibt es dazu eine schöne kleine Geschichte: Ein Schüler kommt zu einem berühmten Lehrer und der bittet ihn zum Tee. Als der Lehrer dem Schüler das Getränk einschenkt, gießt er einfach weiter, obwohl die Tasse des Schülers bereits überläuft. Der Schüler fragt ihn erstaunt, warum er das tue. Und der Lehrer sagt: dein Kopf ist wie diese Tasse. Er ist so voll, dass nichts mehr hinein passt. Du musst deine Tasse erst leeren, um wieder neues aufnehmen zu können. An diese Geschichte werde ich in Zukunft denken, wenn mal wieder alles zu viel erscheint. Und dann gehe ich in die Küche und mache Mittagessen. Denn das Zubereiten von Essen ist für mich der beste Fokus, den ich mir vorstellen kann. 

 

Nun folgt die sanfte Überleitung zum Rezept der Woche: einem Falafelsalat …

 

Ich habe Falafel schon immer geliebt, habe mich nach dem Genuss aber immer schlecht gefühlt. Mein Magen war mit dem oft billigen Frittierfett gar nicht einverstanden und grummelte oft Stunden später noch vor sich hin. Aus diesem Grund war meine Motivation groß, ein eigenes Falafelrezept zu kreieren, das einfach besser verträglich ist und trotzdem gut schmeckt. Meine Falafel werden zuerst im Ofen gebacken und dann in etwas Kokosöl in der Pfanne angebraten. Zusammen mit einem Salat aus Gurke, Kirschtomaten, knackigem Romanasalat, Feta und einem Joghurt-Dressing wird daraus ein nahrhaftes Hauptgericht, das gut zu den letzten warmen Sommertagen passt.

 

FOOD PHARMACY KICHERERBSEN

Kichererbsen sind kleine Nährstoffbomben, denn sie sind reich an Proteinen, Mineralstoffen, B-Vitaminen und Ballaststoffen. Zwei Drittel ihrer Ballaststoffe sind unlöslich und durchwandern den Verdauungstrakt unverändert. Auf ihrem Weg regen sie die Darmperistaltik an und säubern den Darm. Im letzten Darmabschnitt zerlegen die Bakterien des Dickdarms die unverdaulichen Fasern zu kurzkettigen Fettsäuren, die der Dickdarmwand als Energiequelle zugute kommen. Damit helfen die Kichererbsen, die Darmschleimhaut auf Dauer gesund zu erhalten und beugen sogar dem Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, vor.

 

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Falafelsalat für 2 Personen:

 

Für die Falafelbällchen (ergibt 8–9 Stück):

  • 30 g Haferflocken, Kleinblatt (glutenfrei, wenn nötig)
  • 4 EL Minze, grob gehackt
  • 4 EL Koriander, grob gehackt
  • 220 g Kichererbsen aus dem Glas (Abtropfgewicht)
  • 1 EL Olivenöl
  • 1 EL Zitronensaft
  • 1 EL Apfelmus, ungesüßt
  • 1/3 TL gemahlener Kreuzkümmel
  • 1/3 TL Salz
  • 1,5 EL Kokosöl zum Anbraten

 

Für das Dressing:

  • 100 g griechischer (dicker) Ziegenjoghurt (vegane Alternative: Sojajoghurt)
  • 2 EL Olivenöl
  • 2 EL frisch gepresster Zitronensaft
  • 1 TL Ahornsirup
  • 1 Knoblauchzehe, fein gehackt oder durch die Knoblauchpresse gedrückt
  • 2/3 TL Salz
  • Frisch gemahlener schwarzer Pfeffer

 

Für den Salat:

  • 200 g Salatherzen (oder möglichst knackiger Romanasalat), in mundgerechte Stücke gezupft, gewaschen und trockengeschleudert
  • 150 g Salatgurke, geschält und gewürfelt
  • 150 g Kirschtomaten, in Hälften geschnitten
  • 100 g Ziegen- oder Schaffeta, mit den Händen zerkrümelt

 

Den Backofen auf 180 °C vorheizen.

 

Für die Falafelbällchen die Haferflocken mit den Kräutern in der Küchenmaschine oder mit dem Pürierstab 20 Sekunden grob pürieren. Dann die restlichen Zutaten, bis auf das Kokosöl, hinzugeben und kurz pürieren. Die Masse sollte etwas stückig bleiben.

 

Ein Backblech mit Backpapier auslegen und esslöffelgroße Portionen des Falafelteigs mit den Händen zu Kugeln formen, auf das Backblech geben und etwas flach drücken. 6 Minuten auf einer Seite backen und 6 Minuten auf der anderen.

 

In der Zwischenzeit alle Zutaten für das Dressing glatt vermischen. 

 

In einer Pfanne 1 EL Kokosöl erhitzen und die gebackenen Falafel auf beiden Seite je ca. 2–3 Minuten rösten, bis sie leicht gebräunt sind.

 

Alle Salatzutaten bis auf den Feta in einer großen Schüssel mit dem Dressing vermischen. Mit Feta und Falafelbällchen garnieren und sofort servieren. Die Falafel sollten immer warm gegessen werden. 

 

Zeitaufwand: ca. 30 Minuten

 

 Well_Falafel_005

 

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27. August 2016

13 Kommentare zu “FALAFELSALAT

  1. Martin sagt:

    Tolles Rezept! Hat sehr lecker geschmeckt!

  2. Liebe Stefanie,

    ich schmunzel gerade über das, was du da schreibst,weil mir das „Huhn“ so sehr bekannt vorkommt.Ich bin auch Yogalehrerin,MBSR-Lehrerin,mache eine Heilpraktikerausbildung und muss nebenbei noch einen 5 Personenhaushalt schmeißen.In letzter Zeit schlägt mir die Multitaskingfähigkeit allerdings ziemlich auf den Darm und deshalb mag ich deine Rezepte so sehr. Sie schmecken und tun dem Bauch gut.Werde Heute die Fallafel ausprobieren.

    Liebe Grüße
    Marion

    • Stefanie Reeb sagt:

      Liebe Marion,

      danke für Deine nette Nachricht! Ja, es ist wirklich nicht immer einfach, alle Interessen und Verpflichtungen so unter einen Hut zu kriegen, dass man noch den gesunden Überblick behält. Aber das Leben ist eben ein Wechsel aus Anstrengung und Entspannung. Und das wichtigste ist, dass die Entspannung eben zwischendurch auch zum Zuge kommt ;–) Und gutes Essen, das nicht noch zusätzlich Stress macht, hilft dabei auf jeden Fall. Freut mich, dass Dir meine Rezepte gut tun!

      Einen lieben Gruß
      Stefanie

  3. Liebe Stefanie,
    ich verfolge deinen Blog seit einiger Zeit. Und nicht nur die Rezepte gefallen mir ausserordentlich gut. Gerade heute sprichst du mir aus der Seele.
    Danke!!!!
    Liebe Grüße
    Barbara

  4. Hannah sagt:

    Hallo liebe Stefanie,
    Meine Mutter und ich haben gestern diesen überragenden Falafelsalat zum ersten Mal ausprobiert. Wir beide fanden ihn wirklich super lecker. Es war ein ganz neues Erlebnis für uns , denn wir beide kannten noch nicht einen derartigen Geschmack aber dank deines Genies kommen wir immer wieder neu in den Genuss von Geschmäckern die bis zu der Zeit für uns noch unbekannt waren.
    Mit diesem Kommentar wollten wir dir einfach mal danke sagen, denn dein Buch und auch dein Blog hat uns dazu angeregt viel gesünder zu leben. Dadurch fühlen wir uns nicht nur besser , sondern haben auch ein oder zwei Kilo verloren . Deine Rezepte machen einfach Spaß , sie sind nicht nur gesund und einfach sondern auch noch ein wirklicher Genuss. Wenn meine Mama mir sagt, dass wir ein Rezept von dir zum Abendessen kochen dann freue ich mich den ganzen Tag drauf , weil wirkliches jedes Rezept dass wir bis jetzt ausprobiert haben ein Hammer war.
    Bitte mach weiter so und kreiere neue Rezepte die unseren Alltag und unseren Magen bereichern.
    Liebe Grüße Andrea und Hannah Gilliam

    • Stefanie Reeb sagt:

      Liebe Hannah,

      soo schön, Deine Nachricht zu lesen! Vielen Dank! Es freut mich SEHR, dass Deiner Mutter und Dir meine Rezepte so gut schmecken.

      Einen ganz lieben Gruß an Euch!
      Stefanie

  5. Andrea Wunschel sagt:

    Liebe Stefanie,
    am Wochenende hab ich den Salat zum ersten Wintergrillen gemacht. Auch wenn ich zugeben muss, dass ich die Falafel nicht selbst gemacht, sondern im Basic fertig gekauft habe (immerhin Bioqualität). 🙂
    Den Gästen hat es super geschmeckt und ich hab viel Lob dafür bekommen. Das wollte ich natürlich nicht verpassen, Dir weiterzugeben.
    Weiter so und ganz liebe Grüße, Andrea

    • Stefanie Reeb sagt:

      Liebe Andrea,

      wie schön! Das freut mich sehr, dass Euch der Salat geschmeckt hat! Ich liebe ihn auch, sowohl als Beilage als auch zum Mittagessen.

      Sende Die ganz liebe Grüße! ❤️❤️❤️
      Deine Stefanie

  6. Ulrike sagt:

    Liebe Stefanie,
    habe heute den Falafelsalat gemacht und finde ihn seeehr lecker! Frage: Kann man die Falafelbällchen nicht im Backofen fertig backen, ohne sie nochmal in die Pfanne zu legen? Ich möchte das Rezept für meine Geburtstagsparty vervielfältigen und da wäre das auf dem Backblech ideal. Vielleicht mit Öl beträufeln? Ich habe bisher noch nie Falafel gegessen, aber das wird es in Zukunft bei mir öfter geben! Herzlichen Dank und viele Grüße
    Ulrike

    • Stefanie Reeb sagt:

      Liebe Ulrike,

      toll, dass Dir der Salat geschmeckt hat! Du kannst die Falafel tatsächlich auch nur im Ofen zubereiten und tatsächlich einfach etwas Öl auf dem Backpapier verteilen.

      Liebe Grüße!
      Stefanie

  7. Barbara sagt:

    …und mit diesem Freund hier könnte ich glatt über den Sommer kommen, abwechselnd mit Eiskaffee und Softeis… Hmmmmmmm
    Ganz liebe Grüße, Barbara

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