Safran-Polenta mit Orangen-Fenchel
Und warum es mehr Spaß macht, nicht perfekt zu sein

Vor ein paar Tagen habe ich ziemlich über die Stränge geschlagen. Zuvor hatte ich mehrere Woche viel gearbeitet und bin wenig aus dem Haus gekommen. Da fühlte ich langsam diese leichte Kribbeln, das mir sagte: es wäre mal wieder an der Zeit, richtig Spaß zu haben. Endlich war es dann soweit und Thomas und ich trafen gute Freunde, mit denen wir schon viele lustige und manchmal auch wilde Abende verlebt hatten. Es war eine schöne und milde Nacht in Palma. Wir schlenderten durch die Gassen, kehrten in einer Bar ein und gingen später in ein Restaurant, in dem ein Bekannter unserer Freunde kocht (ein kleiner Tipp am Rande: „Duke“ in Santa Catalina). Ronny, der Koch, schlug uns vor, die Auswahl der Speisen ihm zu überlassen. Und so brachte er uns Teller für Teller, und jeder Gang war köstlich und mit viel Liebe gemacht. Dazu tranken wir Wein und philosophierten über das Leben. Es war einer dieser Abende, die man nicht planen oder erzwingen kann. An denen nur der Moment, das Essen, die Gespräche und die Stimmung zählen … und alles andere verschwindet und wird unwichtig. Ich liebe es, mich diesen Momenten hinzugeben. Und ja, das kann auch dazu führen, dass ich das ein oder andere Glas Wein zu viel trinke. Es kommt nicht so oft vor, weil ich es eigentlich gar nicht vertrage … aber wenn ich sogar das vergesse, dann wars ein echt guter Abend. Dieser endete damit, dass Thomas und ich die Nacht im Gästezimmer unserer Freunde verbrachten, weil es ratsam war, nicht mehr Auto zu fahren. Der nächste Tag war dann nicht so toll, und ja, es kann sein, dass ich geschworen habe, nie mehr Alkohol zu trinken. Es wäre auch möglich, dass ich ein paar Termine verschieben musste und dabei etwas von „den Magen verdorben“ gemurmelt habe. 

 

 

Warum ich das alles schreibe? Weil ich mich doch eigentlich schämen müsste, als Autorin gesunder Kochbücher so über die Stränge zu schlagen. Weil ich damit echt kein gutes Vorbild bin. Und das finde ich richtig gut so. Warum? Weil es mich und Dich freier macht. Wir alle haben bestimmte Erwartungen an uns selbst, aber auch an andere. Gerade an die, die für ein bestimmtes Thema stehen, wie zum Beispiel Gesundheit. Wir hätten gerne, dass sie perfekt sind. Denn wenn sie es nicht sind, wie können wir dann selbst je perfekt werden? Die gute – oder schlechte? – Nachricht ist: keiner von uns ist perfekt und wir werden es auch nie werden. Und falls es jemanden gibt, der perfekt ist, dann will ich lieber keinen Abend mit ihm in einem schönen Restaurant verbringen, denn es könnte ziemlich langweilig werden. Wir sind schließlich keine Maschinen sondern unperfekte, leidenschaftliche, alberne, liebende, nachdenkliche, interessante und sehr lebendige Menschen. Vielleicht sind wir an 10 Tagen aufgeräumt und verantwortungsvoll und am 11. Tag werfen wir uns ohne Wenn und Aber in den Strom des Lebens und genießen einfach den Moment. 

 

 

 

Für mich besteht ein gesundes Leben aus der Balance zwischen Vernunft und Unvernunft. Beide nähren mich auf einer tieferen Ebene und geben mir das, was ich gerade brauche. Auch wenn ich mich nach einer „Eskapade“ nicht so gut fühle, kann etwas Schönes daraus entstehen, denn ich wertschätze meinen Körper noch ein bisschen mehr und bin ihm zutiefst dankbar dafür, wie gut er sich sonst immer anfühlt. Dann gehe ich sehr liebevoll mit ihm um, denn ich möchte, dass er schnell wieder in Bestform ist und ich mich wieder richtig wohl fühle. Und so stelle ich wieder eine natürliche Balance her.

 

„There ist a crack in everything. That’s how the light gets in.“ Leonard Cohen

 

Zum Rezept der Woche

Mein Rezept der Woche ist ein sonniges, lichtes Wintergericht, das vielleicht nicht perfekt ist (denn wer ist das schon?) aber wunderbar nach Safran, Fenchel, Mais und Orangen schmeckt. Es macht gute Laune und ist dabei sogar gesund und macht nicht betrunken – mehr kann man von so einem fröhlichen Gericht doch wohl nicht erwarten, oder?

 

Und nun meine Frage an Dich: wie findest Du Deine Balance zwischen Vernunft und Unvernunft? Und wie und wann schlägst Du gerne über die Stränge? Ich freue mich über Deinen Kommentar unter diesem Beitrag!

 

 

 

Safran-Polenta mit Orangen-Fenchel

 

Für 2 Personen:

 

Für den Orangen-Fenchel:

  • 600 g Gemüse-Fenchel
  • abgeriebene Schale von 1 Bio-Orange
  • Fruchtfleisch von 1 Bio-Orange, in mundgerechte Stücke geschnitten
  • 1 Knoblauchzehe, geschält und gehackt
  • 1/2 kleine bis mittlere Zwiebel, geschält und in Ringe geschnitten
  • 3 EL Olivenöl
  • 1 EL Balsamico-Essig
  • 1 TL Salz
  • frisch gemahlener schwarzer Pfeffer

 

Für die Safran-Polenta:

  • 600 ml Wasser
  • 1/4 TL Safranfäden
  • 120 g schnellkochende Polenta
  • 2 EL Olivenöl
  • 1/2–2/3 TL Salz

 

 

Den Backofen auf 200 °C Oberhitze und Umluft vorheizen.

 

Den Fenchel in mundgerechte – aber nicht zu kleine – Stücke schneiden und in eine Rührschüssel geben. Alle anderen Zutaten für den Orangen-Fenchel hinzufügen und gut vermengen. Gleichmäßig auf einem mit Backpapier ausgelegten Backblech verteilen und 20–25 Minuten backen, bis der Fenchel gar und an den Kanten gebräunt ist.

 

Für die Polenta 600 ml Wasser zum Kochen bringen. Sobald das Wasser kocht, 2 EL davon in eine kleine Schüssel füllen und die Safranfäden hinzufügen und kurz ziehen lassen. Die Polenta unter Rühren ins kochende Wasser rieseln lassen. Das Safranwasser hinzufügen und ca. 2 Minuten unter Rühren weiter erhitzen (Achtung, die Polenta neigt zum Herumspritzen). Vom Herd nehmen, 2 EL Olivenöl und Salz unterrühren und bei geschlossenem Topfdeckel warm halten. Die Polenta wird mit der Zeit fester. Deshalb am besten kurz vor dem Servieren etwas mehr heißes Wasser unterrühren, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist. 

 

Polenta in tiefe Teller füllen und mit dem Orangen-Fenchel aus dem Ofen und etwas frisch gemahlenem Pfeffer garniert servieren.

 

Zeitaufwand:
ca. 35 Minuten

 

8. März 2020

12 Kommentare zu “Safran-Polenta mit Orangen-Fenchel

  1. Jutta sagt:

    Liebe Stefanie,
    dieser von dir beschriebene Abend der will gelebt werden, mit allen drum und dran, dass du so wundervoll beschreibst. Ich liebe diese Abende, wenn sie denn mal stattfinden. Das alles so gut zusammenpasst muß gefeiert werden. Ist auch meistens nicht so oft. Ist auch nicht planbar. Danach ist wieder etwas mehr Rücksicht angesagt. Ich versuche in dieser Balance zu leben. Wenn ich zuviel verzichte tut mir das nicht gut. Ich versuche ein paar Genussmittel, wie z.B. Wein, bei einen besonderen Anlass zu genießen.Für mich ist das achtsame und bewußte Umgehen mit meiner Nahrung sehr wichtig, da ich mich dabei viel besser fühle. Und dennoch ist ein Abend, wie du ihn beschrieben hast, herzlich willkommen.
    Morgen werde ich Fenchel kaufen. Dein Rezept sieht sehr sonnig und lecker aus.
    Herzlichen Dank für deine Rezepte und wundervollen Beiträge.

    • Stefanie Reeb sagt:

      Liebe Jutta,

      das beschreibst Du sehr schön. Ich finde, um genau diese feine Balance geht es und sie tut unheimlich gut. Ich fühle mich auch am besten, wenn ich zu 90 Prozent ein gesundes und nicht zu ausschweifendes Leben führe. Und hier und da über die Stränge zu schlagen, tut der Seele dann wieder gut.

      Viele liebe Grüße an Dich!
      Stefanie

      • Barbara sagt:

        Liebe Stefanie,
        Früher war ja mein Motto: no risk no fun;) Ich bin trotzdem eher so der vernünftige und disziplinierte Typ. Über die Stränge schlage ich eher nicht, vielleicht mal mit Tatort Bingen, Tanzen, noch ein schönes Kleid erstehen oder – wenn ich wieder mal eine Gürtelrose bekomme schreit mein Körper nach Zucker…. meist schaffe ich es nicht, dem zu widerstehen. Und ärgere mich dann oft, weil ich weiß, dass es meinem Immunsystem schadet.
        Da ich biografisch bedingt keinen Alkohol trinke (zu viele Alkoholiker erlebt), habe ich gar nicht so eine Versuchung, bzw fühle mich meist auch gar nicht wohl, wenn Leute um mich herum mehr als ein Glas Wein trinken. Trotzdem beschreiben mich meine Freund*innen als lustig, ausgelassen und gesellig. Also morgen muss ich mal wieder abwägen, ob ich alle Tatorts des Wochenendes in der Mediathek binge oder ob ich „vernünftig“ bin, aber da halte ichs auch gerne mit den 10-20% Unvernunft.
        Das ist so ein fröhliches sonniges Rezept, ich muss dringend alle Zutaten besorgen, damit ich es gleich nachkochen kann. Ich liebe Polenta und habe von Weihnachten noch viele Vorräte, weil ich dachte, ich mache diese Polenta mit der Bourginion Soße noch viel häufiger – und dann wars mir doch zu festlich. Und Safran hat mich gestern auch angelacht und nach Einsatz gefragt. Deswegen freue ich mich sehr auf die feine Fenchel-Orangen-Kombi auf frisch-gelber Polenta, toll.
        Ganz herzliche Grüße, deine Barbara

        • Stefanie Reeb sagt:

          Liebe Barbara,

          danke für Deinen Kommentar! Ich finde, man kann tatsächlich auf sehr unterschiedliche Weise (ab und zu) über die Stränge schlagen, und es muss nicht immer sein, dass man seiner Gesundheit damit schadet. Für mich bedeutet es eher, einem besonderen Moment Raum zu geben und ganz in ihm aufzugehen ohne ans Morgen zu denken.

          Schön, dass Du Polenta auch so gerne magst! Ich vergesse sie manchmal für mehrere Monate, dann „entdecke“ ich sie wieder und esse sie dann ständig. Ich hoffe, das Rezept wird Dir gefallen!

          Liebe Grüße
          Stefanie

          • Barbara sagt:

            Das war ja Gedankenübertragung: soeben haben wir dieses köstliche Gericht verspeist und gönnen uns die Mangomousse zum Dessert – ganz unvernünftig, aber soooooooooo lecker!
            Also die Aromen des Fenchel-Orangen Gemüses unf der Safran in der polenta hit the spot!!! DANKEDANKEDANKE

  2. Elke sagt:

    Schön Deine Gedanken zum unperfekten Leben. Sonst wäre ja vieles voraus zu sehen und so langweilig. Mit Freunden einen unvergesslichen Abend zu verbringen, auch wenn er mal die Lebensgeister hinterher etwas schwächt, bleibt in Erinnerung. Ist ja nicht die Norm. Dann die nächsten Tage die köstliche Polenta in Sonnenfarben genießen kann uns nur stärken.
    Unvergesslich sind mir nur überraschende Treffen und außergewöhnliche Gespräche mit Freunden. Wenn dann noch ein Essen mit guten Zutaten dazu kommt, ist es wieder perfekt. So schließt sich der Kreis.

    • Stefanie Reeb sagt:

      Ja, gutes Essen, gute Gespräche und ab und zu ein guter Wein gehören irgendwie zusammen und machen das Leben schöner. Das stärkt die Lebensgeister, auch wenn die Leber dann mehr zu tun hat als sonst. Aber dafür gibts in den Tagen danach wieder Bitterstoffe und Lebertee ;–)

      Alles Liebe
      Stefanie

  3. Melanie sagt:

    Liebe Stefanie,

    Du sprichst mir aus der Seele!!!
    Ich ernähre mich in der Regel auch sehr gesund und ausgewogen, mache Yoga und Sport, versuche, achtsam zu sein und fühle mich wohl dabei!

    Und trotzdem gibt es diese „Alles-ist-erlaubt-Tage“! Die sind ungeplant und passieren einfach.
    Da denke ich mir dann immer: „Scheiß drauf, genieß das Leben, lass es Dir gut gehen und habe kein schlechtes Gewissen. Morgen kannst Du wieder vernünftig weitermachen!!!“.

    Ich verbuche das dann immer unter einem „Cheat-Day!“ mit einem Smiley.

    Wenn wir solche Tage/Momente und Augenblicke nicht wirklich genießen, macht es nicht wirklich Spaß! Hauptsache ist doch, dass es nicht zur Gewohnheit wird!

    Spontan sein und das Leben genießen mit einer guten Mischung aus gesund und „ungesund“, mit Leichtigkeit, Freude und Unbeschwertheit – darauf kommt es an und das macht das Leben lebenswert.

    Liebe Grüße
    Melanie

    PS: ich finde es übrigens super, dass Du so offen und ehrlich bist und auch zeigen kannst, dass Du nicht immer nur vorbildlich gesund lebst. Das macht Dich noch sympathischer. Und das Rezept ist toll, so ähnlich habe ich das kürzlich gekocht.

    • Stefanie Reeb sagt:

      Liebe Melanie,

      das hast Du schön geschrieben. Ja, diese Cheat-Days können unheimlich gut tun, gerade wenn man sonst sehr bewusst und „vernünftig“ ist. Sie bringen eine gewisse Unbeschwertheit, die ein schönes Lebensgefühl macht.

      Viele liebe Grüße!
      Stefanie

  4. Barbara sagt:

    Ps: pah, jetzt haben wir grade aber doch noch unvernünftig über die Stränge geschlagen, in dem wir noch einen fast mitternächtlichen Happen zu uns genommen haben. Ich intervallfaste nämlich sehr vernünftig… Aber manchmal gibts halt eine Aunahme;)

  5. Anke Zillich sagt:

    Liebe Stefanie!
    Ich bin eine treue Leserin deiner, ja ich möchte es so ausdrücken, GESCHENKE! Jedes Mal bewegen mich deine Artikel! Und den aktuellen finde ich besonders wichtig ! Wie langweilig wäre das Leben wenn es perfekt wäre! Und wie unglaubwürdig wärest du, wenn du nicht solche leidenschaftlichen, berührenden“ Geständnisse “machen würdest! So wie Glück ohne die Existenz der Endlichkeit nicht denkbar wäre, so wäre Leben ohne gelegentliche leidenschaftliche Eskapaden für mich persönlich nicht erstrebenswert!
    Danke, daß es dich gibt! Mit ganz lieben Grüßen- Anke

    • Stefanie Reeb sagt:

      Liebe Anke,

      vielen Dank für Dein liebes Feedback! Ja, da hast Du recht, ich finde auch, dass das Leben nicht lebenswert wäre, wenn alles immer nur vernunftgesteuert und „perfekt“ wäre. So ein bisschen Rock’n’Roll ist wichtig für die Seele ;–)

      Viele liebe Grüße
      Stefanie

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